Dass ich Taschentücher mitnehme, wenn ich zu Vorträgen von Alea Horst fahre, ist mittlerweile selbstverständlich. Aber der Abend in der
Realschule Bad Ems war es nochmal anders.


Organisiert wurde der Abend von einer Schulklasse gemeinsam mit ihrem Lehrer David Schmidl. Im Rahmen einer Projektwoche haben die Schüler:innen ihre ganz eigene Sprache für das gefunden, was Alea zeigt. Es entstanden ein Musikstück, das komplett selbst geschrieben und komponiert wurde. Ein Podcast. Ein Tagebucheintrag. Eine Bildbeschreibung, die weit über das Offensichtliche hinausging. Alles getragen von dem Versuch, nicht nur zu sehen – sondern wirklich zu fühlen.


Und das war auch im Raum spürbar. Es war still. Still vor Nachdenklichkeit. Still, weil das, was da gezeigt und gesagt wurde, berührt hat.
Im Anschluss stellte sich Alea den Fragen der Schüler:innen. Auf die Frage, was ihr am schwersten fällt, sagte sie: Nicht die Arbeit selbst. Die Arbeit gibt ihr Kraft. Sie gibt ihr Mut. Sie schenkt ihr Begegnungen mit Menschen überall auf der Welt, die trotz allem Leid eine unglaubliche Herzlichkeit leben.
Was ihr am schwersten fällt, ist auszuhalten, wie wenig in unserem Land passiert, wenn sie ihre Bilder zeigt. In einem Land, das sich leisten könnte, mehr zu tun. Das mehr tun sollte.
Wir leben in einer Demokratie. Wir dürfen sagen, was ist. Und wir müssen es auch tun – für Menschenrechte. Immer. Überall.

Alea hat erzählt, dass sie irgendwann aufgehört hat, von ihren Bildern zu erwarten, dass sie unmittelbar etwas verändern. Dass sie Aktion auslösen. Und genau das hat mich nochmal tief getroffen.

Denn eigentlich müsste es genau das tun. Uns berühren. Uns aufrütteln. Uns wütend machen. Uns mutig machen. Damit wir im Alltag den Mund aufmachen, für die, die keine Stimme haben.

Damit diese Welt ein bisschen mehr fühlt. Damit sie ein bisschen mehr liebt. 

Natalie Brosch
Author: Natalie Brosch